Lieber Ohne Worte

Die Geschichte des Ensembles Lieber ohne Worte beginnt im Sommersemester 1997 mit dem Treffen von Michael Mussler als Lehrer und Maja von Kriegstein als Schülerin an der Hochschule der Künste in Berlin. Beide konnten zunächst wenig miteinander anfangen und gingen bald getrennte Wege, die erst lange nach dem Studium und außerhalb der Hochschule wieder zusammen fanden. In der Zwischenzeit hatte Maja begonnen, Trompete zu spielen und fand hierfür in Michaels schwäbischem Heim den besten Unterschlupf. Während er seine Chopin-Etüden spielte, saß sie im Wald und übte Tonleitern. Und irgendwann kam zu gemeinsamen Mahlzeiten und gemeinsamen Bauprojekten auch das gemeinsame Musizieren hinzu. Im Februar 2007 gab es dann ein erstes kleines Konzert in der unbeheizten Berliner Zionskirche. Inzwischen hat sich das Ensemble auf drei Mitglieder erweitert - Alexandra Becker kam als Glühweinfee hinzu - und spielt regelmäßig am Neujahrstag in der Zionskirche.

Das Repertoire von Lieber ohne Worte umfasst neben ausgedehnten Improvisationen fast ausschließlich Vokalmusik. Das lag zu Anfang ganz praktisch daran, dass in Großstadelhofen viele Gesangsnoten vorrätig sind und auch daran, dass Stücke, die den menschlichen Stimmumfang nicht überschreiten, für eine Anfängerin im Trompetenspiel leichter zu bewältigen sind als virtuose Trompetenliteratur. Inzwischen ist uns dieses Repertoire jedoch auch über die praktischen Gründe hinaus lieb geworden.

Ähnlich wie bei abstrakter Malerei entsteht bei der Darbietung von Liedern ohne Worte ein großer Spielraum für die Phantasie der Spieler und der Zuhörer. Die Gedichte sind eine von vielen Möglichkeiten, in das Lied hineinzukriechen – und wir nutzen dieses Schlüsselloch natürlich bei der Erarbeitung auch – aber es ist wunderbar, dann festzustellen, dass man auch hätte durch den Schornstein, das Fenster hätte hineinkommen können.

Mit welchem Recht darf man den Leuten bloß diese wunderbaren Gedichte vorenthalten? könnte man fragen. Dem ist zu entgegnen: Das tun wir nicht. Die Gedichte sind in die Musik eingeflossen und kommen durch sie in abstrakter Form ganz genau, wenn auch nicht konkret, zum Zuhörer. Der klare emotionale Gehalt der Lieder, der in den Texten eben nur eine bestimmte Ausformung hat, kann so von jedem einzelnen persönlich erlebt werden, als seine Geschichte, sein Bild, seine Farbe oder Stimmung.

Wir spielen lieber ohne Worte, am liebsten Lieder!